Besuch einer Bundestagsabgeordneten an "ihrer" alten Schule - Bericht und Fotos
Für einen Freitagvormittag wurde konkrete Bundespolitik für anderthalb Stunden an der AES greifbar: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Nancy Faeser, von Dezember 2021 bis 2025 Bundesministerin des Innern und für Heimat, war zu Gast vor allen Politik-und-Wirtschafts- sowie Wirtschaftswissenschaften-Kursen der Q3-Phase und stand von 8.00 Uhr bis 9.30 Uhr den Fragen der Schülerinnen und Schüler Rede und Antwort.
Den Kontakt zur Schule hatte Maya Harnisch möglich gemacht: Die diesjährige Abiturientin absolviert derzeit ein Praktikum im Bundestagsbüro von Nancy Faeser; über das Wahlkreisbüro im Main-Taunus-Kreis entstand daraus die Idee zu dieser Begegnung. Durch die Fragestunde führten Noelia Pitula und Benjamin Herbst aus dem Leistungskurs Politik und Wirtschaft von Herrn Schnitzler. Die "Fragreise" ging dabei von der Brandmauer zur AfD über die Wehrpflicht bis hin zur Künstlichen Intelligenz.
Vom Kreistag ins Bundesministerium
Zu Beginn zeichnete Nancy Faeser ihren Weg in die Politik nach, der eng mit Schwalbach verbunden ist: Ihr Vater war Bürgermeister der Stadt, sie selbst gehörte früh dem Kreistag des Main-Taunus-Kreises an und zog später über den Landtag in die hessische Landespolitik. Zunächst war sie sogar parallel noch als Rechtsanwältin tätig. 2021 berief sie dann der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz als erste Frau an die Spitze des Bundesinnenministeriums.
Demokratie und Extremismus
Großen Raum nahm die Frage nach dem Zustand der Demokratie ein. Die „Brandmauer“ gegenüber der AfD sieht Faeser als beschädigt an – ein Protestwählen einer demokratiefeindlichen Partei könne sie nicht nachvollziehen. Als Gründe für deren Zulauf nannte sie die starke Präsenz in den sozialen Medien, zugespitzte Botschaften und das Gefühl vieler Menschen, dass der Staat nicht mehr richtig funktioniere. Ihr Appell an alle: wieder wertschätzender miteinander reden und weniger in Schwarz-Weiß-Kategorien denken. Ein Parteiverbot sei als politisches Mittel nie wünschenswert; als Juristin wisse sie aber, dass die Verfassung dieses Instrument aus der Geschichte heraus vorsieht.

Noelia Pitula und Benjamin Herbst aus dem Leistungskurs Politik und Wirtschaft moderierten
Sicherheit, Nachrichtendienste und Wehrpflicht
Im Themenblock Sicherheit sprach Faeser über hybride Bedrohungen: Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine würden gezielt Falschinformationen verbreitet, weshalb Innen-, Justiz- und Außenministerium eine gemeinsame Analyseeinheit geschaffen hätten. Befugnisse der Nachrichtendienste dürften erweitert werden – aber immer verhältnismäßig und ohne die Grundrechte auszuhebeln. Rein freiwilliger Wehrdienst werde vermutlich nicht ausreichen, um verteidigungsfähig zu bleiben, über ein verpflichtendes Jahr für ganze Jahrgänge müsse aber vor allem mit den jungen Menschen selbst gesprochen werden.
Künstliche Intelligenz und Schule
Beim Thema KI plädierte Faeser dafür, dass Deutschland in der Forschung führend bleibe, während Unternehmen zugleich die Sicherheit gewährleisten müssten. Gerade Schulen sieht sie hier gefordert – als Chance, sich von reiner Wissensvermittlung hin zum verantwortungsvollen Umgang mit modernen Technologien zu entwickeln. Zugleich kritisierte sie, dass die politische Bildung an vielen Schulen ausgedünnt worden sei, und sprach sich, auch angesichts der PISA-Ergebnisse, überraschend deutlich für ein einheitlicheres Bildungssystem in Deutschland unter Führung des Bundes aus.
Persönliche Einblicke
Beeindruckend offen gab Faeser Einblicke hinter die Kulissen der Macht: Als schwierigste Momente ihrer Amtszeit nannte sie die Aufnahme der Geflüchteten aus der Ukraine sowie die Zeit nach dem Hamas-Anschlag am 7. Oktober 2023. Nachdenklich wurde es im Gespräch, als sie vom öffentlichen Hass erzählte, mit dem sie als Frau in diesem Amt konfrontiert war. Für das Familienleben sei das Amt eine Zumutung – Krisen machten schließlich keinen Urlaub. Als Ausgleich dienten ihr Familie und Sport.
Zum Abschluss dankte Schulleiterin Anke Horn Nancy Faeser für ihre offene Gesprächsbereitschaft, den Moderator/inn/en und allen Betieligten, die es mit ihren Beiträgen ermöglicht hatten, eine Brücke zwischen Bundestag und Klassenzimmer zu schlagen.

Abschließende Dankesworte von Schulleiterin Anke Horn
Bericht und Fotos: J. Kilb









